11.09.2019, Kategorie: Aktuelles, Neues aus der Agrarabteilung

Nitrat- und Phosphatkulisse ausgewiesen auch die Landwirtschaft in unserer Region ist davon stark betroffen


Die Niedersächsische Landesregierung hat die Karte der sogenannten „roten Gebiete“ ausgewiesen. Die roten Gebiete umfassen ca. 39 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Niedersachsen also rund eine Million Hektar oder plastischer formuliert rund 1 Million Fußballfelder. Die Landwirte können nur noch mit erhöhten Auflagen ihre Flächen in diesen Gebieten bewirtschaften. Das Kreisverbandsgebiet Gifhorn-Wolfsburg liegt mit ca. 50 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in der Nitratkulisse.

Zu den Auflagen gehören:

1. Verpflichtende Wirtschaftsdüngeranalysen vor Aufbringung auf die Flächen, um den genauen Nährstoffgehalt zu kennen und so die Düngung noch präziser gestalten zu können.

2. Das Einarbeiten von Wirtschaftsdünger und Gärresten innerhalb von einer Stunde (anstatt früher vier Stunden).

3. Erhöhung der Mindestlagerkapazität für flüssige Wirtschaftsdünger und Gärreste auf sieben anstatt sechs Monate (gilt ab Juli 2021).

„Es steht außer Zweifel, dass sauberes Grundwasser für uns und unsere Kinder unverzichtbar ist. Dennoch können rote Gebiete nur aufgrund von fachlich fundierten Erkenntnissen bestimmt werden“, sagt Joachim Zeidler, Vorsitzender vom Landvolk Kreisverband Gifhorn-Wolfsburg. „Die von der Niedersächsischen Landesregierung präsentierte Karte basiert nach unserer Einschätzung auf einem sehr groben Raster. Es wurden auch bei offensichtlich nicht repräsentativ verteilten Messstellen pauschal große Gebiete einbezogen. Das ist aus unserer Sicht ein ungerechtfertigtes Vorgehen und führt zu völlig unnötiger Betroffenheit einzelner Landwirte, hier sehen wir konkreten Korrekturbedarf“, führt Zeidler weiter aus.

Insgesamt 16 Kreisverbände haben sich zusammengeschlossen und ein Geohydrologisches Ingenieurbüro beauftragt, die Grundlagen, die bei der Festlegung eine Rolle gespielt haben, in fachlicher Hinsicht zu überprüfen. „Sollte sich herausstellen, dass die Festlegung fachlich nicht haltbar ist, werden wir alle notwendigen Schritte zur Abwendung von Nachteilen für die Landwirte einleiten“, teilt der Geschäftsführer des Landvolks Klaus-Dieter Böse mit.

„Für die Betriebe bleibt jetzt weiterhin eine große Unsicherheit. Das zukünftige Anforderungsniveau hängt von den Verhandlungen der Bundesregierung mit der EU-Kommission ab. Einige Vorschläge, die hier diskutiert werden, gehen über jedes vernünftige Maß hinaus und sind kontraproduktiv. Dazu zählen die geplante Reduzierung der Nährstoffversorgung um 20 Prozent unter den Nährstoffbedarf der angebauten Nutzpflanzen oder das Verbot einer Düngung von Zwischenfrüchten, die für den Wasser- und Bodenschutz angebaut werden. Diese geplanten Maßnahmen führen zum Humusabbau im Boden und damit zu einer vermehrten CO2 Freisetzung, Verringerung der Bodenfruchtbarkeit, höhere Erosionsanfälligkeit und geringere Wasserhaltefähigkeit. Bei diesen wissenschaftlich fundierten Kenntnissen kann man berechtigterweise das Vertrauen in die Umweltpolitik verlieren,“ ärgert sich Böse.

Über den Link https://sla.niedersachsen.de/landentwicklung/LEA/ können die Gebietskulissen eingesehen werden. Zusätzlich wird unten links auf der Seite das graue Infofeld „Informationen zur NDüngGewNPVO“ eingerichtet.